Sari's letzte Reise - Homöopathische Sterbebegleitung

Sterben gehört genau wie das Geboren werden zum LEBEN dazu.

Sterben heisst Loslassen und im Vertrauen sein.

Sterbebegleitung beim Tier

Immer wieder begleite ich als Tierhomöopathin Tiere mit ihren Besitzer auf ihrer letzten Reise.

In tiefster Dankbarkeit teile ich die Geschichte von Sari, geschrieben von ihren wunderbaren menschlichen Begleitern.


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Dass wir so schnell von unserer süßen Sari Abschied nehmen würden hätten wir nie gedacht. Wir waren in der Schweiz um in der eigenen Familie auszuhelfen, wie unser älteres Hundemädchen nach dem Erbrechen einer Mahlzeit nicht mehr essen wollte. Erst am dritten Tag unseres Aufenthaltes war uns ein Tierarztbesuch in der Schweiz möglich, wo wir erfuhren, wie geschädigt der Organismus unseres Schatzis schon war. Zur angeratenen sofortigen Intensivmedizin mit allem was in einer Tierklinik möglich ist, hatten wir unserer Sari zu Liebe ein klares Nein! Was sollten wir sie noch fremden Menschen, fremder Umgebung, Angst und Stress aussetzen, wenn doch die Diagnose so deutlich war?


Zurück in der Familie waren wir nur wie gelähmt und ratlos. Genau dann meldete sich zu unserer Erleichterung Carol Seiler, Tierheilpraktikerin und Homöopathin aus Hedingen, einem Nachbardorf. Carol kam vorbei und kümmerte sich liebevoll um unsere Sari. Es brauchte für sie nicht lange zu erspüren, dass Sari bereits entschieden hatte, diese Welt zu verlassen. „Sie ist schon auf der Reise“. In einem wunderschönen, bereichernden Sterbebegleitungsgespräch, wo sie auch die Enkelkinder, soweit sie das wollten und dann auch die Schwiegertochter mit einbezog, machte Carol uns Mut, Sari den Freiraum und den Schutz zu bieten, so zu gehen wie es FÜR SIE richtig war. Offenbar hatte Sari keine Schmerzen, sie war gelassen, entspannt und unendlich müde. Im behüteten Rahmen der Familie mit Enkelkindern im Kindergarten- und unteren Schulalter, worüber wir Sohn und Schwiegertochter von Herzen dankbar sind, wagten wir es, Sari einfach zu lassen, allfällig unterstützt mit homöopathischen Palliativmitteln, die uns Carol mit Beschreibung dagelassen hatte.


Täglich waren wir mit Carol in Kontakt, aufkommende Fragen sprachen wir ihr aufs Band und zeitnah rief sie zurück. Es war unser Bedürfnis, dass Carol ein weiteres Mal nach Sari sah, so richtete sie es ein und kam vorbei. War der nicht fassbare, aber schon sich ankündigende Tod ab unserer Ankunft unsichtbar drohend im Raum, hatte sich nach dem Besuch von Carol alles zum Friedlichen verändert.


Saris Sterben dauerte entgegen unserem anfänglichen Gefühl eine ganze Woche. Carol hatte diese Möglichkeit in Erinnerung an einen eigenen Hund erwähnt. Sari lag meist schlafend mitten im Raum, mitten im Familienleben, wurde von allen lieb gestreichelt, bekam Kuscheltiere zur Gesellschaft, wunderbar dass das möglich war. Kinderlachen, auch Besuch und Streitigkeiten, Fernsehen und Lärm kümmerten Sari nicht. Gleichmütig war sie, der Frieden in Person, präsent. Sie trank immer mal Wasser und ging mit unserer Unterstützung für ihre Geschäftchen nach draußen. Wir haben uns lange mit dem Sterben, dem Tod und dem Danach beschäftigt. Dennoch, als Mensch dem Sterben eines geliebten Wesens zuzusehen ist nahezu unerträglich, in unserer Gesellschaft nicht mehr üblich, wird ausgeblendet und ist entsprechend schwer auszuhalten. Wo früher Opa oder Oma einfach in ihrem Zimmer waren, bis zum letzten Atemzug, und jeder in der Familie spontan nach ihnen schaute – ist Sterben verlagert. Ins Krankenhaus, ins Altenheim. Holt man Angehörige doch nach Hause ist man unter Druck, unsicher. Tut man das Richtige?


Wenn ich in mich hineinhörend Sari fragte, wie es ihr geht, hatte ich die Antwort : Gut! Dennoch war da die Ungewissheit. Leidet Sari nicht doch? Ist alles so, wie sie es möchte? Vor unserer Abreise in Deutschland war es noch gelungen einen Termin mit einer Heilpraktikerin in Rammingen für den Zeitraum nach unserer Reise zu vereinbaren, den hatten wir derweil schon abgesagt. Unsicher kontaktierten wir sie dann doch erneut, denn sie war – wie wir aus einer Rezension erfuhren, auch in der Lage mit Tieren zu kommunizieren, egal wie weit entfernt. Was sie uns per Whatsapp-Anruf von Sari ausrichtete, deckte sich mit Carols Aussage. Wir waren erleichtert. Sari hatte klar entschieden zu gehen, in ihrem Tempo und auf ihre Weise. Sie war glücklich, zufrieden, hatte tatsächlich keine Schmerzen und war dankbar für den Freiraum, den wir ihr gaben. Aktive Sterbehilfe lehnte Sari strikt ab. Und sie machte uns in einem Nebensatz noch darauf aufmerksam, dass der Körper unabhängig von der Seele voller Energie ist, die noch wie bei einem Duracell-Hasen (meine Worte, so habe ich es verstanden) ausreagieren kann....


Wie hätten wir zu Hause Saris Sterben wohl überstanden? Auf uns alleine gestellt? Wären wir fähig gewesen, Sari auch daheim diesen Freiraum zu geben und hätten wir ihr nicht doch in falschem „MitLeid“ weiteres „Leiden“ erspart und einer „Erlösung“ zugestimmt? Welch ein Glück, dieser Frage nicht wirklich gegenüber gestanden zu haben. Es ließ sich nicht ändern, es wirkte einfach alles wie von Sari sorgsamst geplant. Und im nachhinein machten sogar eigenartige, Sari Kraft kostende „Abschiedsbesuche“, die sie daheim noch hartnäckig durchsetzte und über die wir uns wunderten Sinn.... !

Unterdessen schliefen wir in Saris Nähe im Wohnzimmer auf der bequemen, großen Couch, um für sie da zu sein. In der Nacht auf den 7. Tag, den 21.09.2021 nahm Sari wie Abschied, deutete kleine, uns liebe Rituale an, wühlte in ihrem Bettchen, ließ sich knuddeln – es war wunderschön.

Gegen Morgen aber wurde sie unruhig und begann zu zappeln. Falsch – ihr Körper begann zu zappeln... Gottseidank hatte Sari via Frau Echtler so etwas erwähnt und uns darauf vorbereitet. Dennoch, das Zappeln setzte uns zu – und ging weiter, wie wir die Kinder wecken und mit ihnen frühstücken sollten. Sie lümmelten erst auf dem Sofa, setzten sich später an den Tisch, nur etwa zwei Meter von Sari entfernt. Mein Mann der sich um Sari kümmerte deckte viel von der Sicht ab, trotzdem nahmen beide Kinder wahr was passierte. Zu unserem Erstaunen blieben sie aber ruhig und entspannt... Ungewöhnlich. Es konnte nicht anders sein: Sicherlich weilte Sari gar nicht mehr in ihrem Körper und war nur noch mit der Silberschnur verbunden. Daher auch die Gelassenheit und das Frei sein von Schmerzen. Und die Kinder spürten das unbewusst. Wie die Buben aus dem Hause waren, kümmerte ich mich um Sari. Es gelang auch mir nicht, ihren Körper zu beruhigen. Einem Impuls folgend hob ich den arbeitenden Körper mit der Decke auf, um Sari in einen ruhigen Raum im oberen Stock zu tragen. Den Unterbruch hatte sie gebraucht. Noch auf der Treppe, auf dem Weg nach oben, wie ein Baby in meinem Arm, wusste ich – jetzt ist Sari weg. Einen Moment mit ihr auf dem Balkon – und ich legte sie eingebettet in ihre bunte Decke auf den Boden. Ein Bild des Friedens.

Für uns haben wir gelernt, und dafür lieben wir unsere Sari und sind wir auch Carol dankbar, dass Sterben in Würde und Frieden – Angst-frei und ohne Schmerzen möglich ist. Es ist dann möglich, wenn das Ego der Angehörigen mit ihren Projektionen, Erwartungen, dem was man tun MUSS – ihren bewussten oder unbewussten Ansprüchen verstummt, wenn einfach geschehen darf. Wenn einfühlsame Menschen einen dabei begleiten, die spüren was ein Sterbender in aller Einfachheit noch braucht oder eben nicht braucht – und einem Mut machen, dem eigenen Herzen und weniger dem Verstand zu folgen - und zu versuchen in Liebe und Respekt los zu lassen. Sari hat nicht mehr gegessen und nur getrunken, wenn sie es wollte. Alle Maßnahmen die man noch so umsetzt, in der vermeintlichen Sorge jemanden verhungern und verdursten zu lassen – wem nützen sie? Uns und unserer Unsicherheit? Unserer Rechtfertigung doch aus unserer eingeschränkten Sicht alles Menschenmögliche zu tun? Unserem Klammern? Unserer Angst vor Verlust, unserem Behalten-wollen? Ja! - Sicher nicht dem der gehen möchte! Aufhören zu essen, aufhören zu trinken lässt die Batterie leer laufen. Welch ein Segen! Nehmen Wildtiere und viele Urvölker ganz selbstverständlich für sich in Anspruch. Der Verzicht auf Essen und Trinken scheint Körpervorgänge zu verlangsamen, damit stoppt möglicherweise Schmerzgeschehen und hilft, sich allmählich zu lösen. Also, was richten wir an mit unserer Überfürsorge und Betriebsamkeit? Sari hat uns die Antwort überdeutlich gegeben. Sterben kann schön sein. Mit Sicherheit schöner als wie geboren werden, wo man unbewusst und seiner umfassenden Fähigkeiten beraubt absolut hilflos in ein ungewisses Abenteuer startet. Sterben bringt uns nach Hause. So einfach und beglückend. Von Herzen danke


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